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Bodenbearbeitungssysteme

Der Boden ist Pflanzenstandort und damit der wohl wichtigste Produktionsfaktor des Ackerbauers. Eine standortgerechte Bodenbearbeitung im Rahmen des integrierten Pflanzenbaus ist essentiell um Vorsorge gegen negative Einflüsse auf den Boden zu leisten. Durch die unterschiedlichen Formen der Bodenbearbeitung nimmt der Landwirt aktiv Einfluss auf das Bodengefüge.

Was versteht man unter einem fruchtbaren Boden?

Der Boden ist/hat:

  • leicht bearbeitbar
  • nicht verschlämmend: gute Krümelstabilität (Verschlämmungswiderstand)
  • nicht unterbodenverdichtet (tiefgründig) → gute Durchwurzelbarkeit!
  • einen ausreichenden Humusgehalt
  • einen optimalen pH-Wert (5,4 (Sand) – 7,2 (Ton), je nach Bodenart)
  • 250 mm Wasser = 2 500 000 l/ha pflanzennutzbarer Wasservorrat in 1 m durchwurzelter Bodentiefe (Lehmboden)
  • ca. 50 % Gesamtporenvolumen und 10 – 15 % luftführende Poren
  • 50 – 150 Regenwurmgänge/m²
  • optimale Nährstoffgehalte und -verhältnisse (Stickstoff, Kalium, Phosphor, Magnesium, Spurenelemente etc.)
  • keine toxischen Rückstände der Vorfrucht (Hemmstoffe, Herbizide)
  • eine hohe biologische Aktivität (CO2-Abgabe, Enzymaktivität, Keimzahlen) als phytosanitäres Potenzial und zur Nährstoffmobilisierung
  • wenig bis keine Unkrautsamen
  • keine Schädlinge (Nematoden)
  • keine Krankheiten (verändert nach Wildhagen, 2006).

Unterstützend wirkt dabei eine ausreichende Niederschlagsverteilung und Wärmeversorgung während der Vegetationsperiode (Hellberg-Rode et al., 2002).
Es wird unterschieden in eine natürliche und eine erworbene (= durch Nutzung eines Standortes entstandene) Bodenfruchtbarkeit. Durch eine gezielte Bewirtschaftung kann die Bodenfruchtbarkeit eines Standortes verbessert werden. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Förderung der biologischen Aktivität z.B. durch geeignete Fruchtfolgen, Einsatz organischer Dünger, Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten, schonende Bodenbearbeitung, Erosionsschutzmaßnahmen und Vermeidung von Bodenverdichtungen (Hellberg-Rode et al., 2002).

Was kann durch unterschiedliche Bodenbearbeitungseffekte erreicht werden?

  • Lockern: erhöht den Grobporenanteil im Boden. Es erhöht außerdem die N-Mineralisierung im Boden.
 Anmerkung: Grobporen sind verantwortlich für die Durchlüftung des Bodens. Sie 
begünstigen die Durchwurzelung und leiten das Niederschlagswasser ab.
  • Wenden: bringt nach unten verlagerte Nährstoffe oder Tonteile nach oben, vergräbt nicht gewünschte Pflanzen durch Lichtentzug; der Boden wird gleichzeitig aufgelockert
  • Mischen: verteilt Dünger, Pflanzenreste und Pflanzenbewuchs auf die gesamte Bearbeitungstiefe
  • Rückverdichten: stellt den Bodenschluss zur kapillaren Wassernachlieferung her
  • Krümeln: schafft ein optimales Saat- und Keimbett (verändert nach Wildhagen, 2006)

In der Tabelle 1 sind unterschiedliche Bodenbearbeitungsgeräte aufgeführt und ihre Arbeitsweise bewertet wurden.


Tabelle 1: Wirkung verschiedener Bodenbearbeitungsgeräte (Estler und Knittel, 1996)
 x = gute Leistung im Hinblick auf das Bearbeitungsziel
(x) = das Bearbeitungsziel kann mit Hilfe dieses Gerätes teilweise erreicht werden


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x = gute Leistung im Hinblick auf das Bearbeitungsziel (x) = das Bearbeitungsziel kann mit Hilfe dieses Gerätes teilweise erreicht werden (Estler und Knittel, 1996)

I
n der Praxis werden folgende Bodenbearbeitungsformen unterschieden:

• Stoppelbearbeitung
• Grundbodenbearbeitung
• Saatbettbereitung.

Sie differenzieren sich durch ihre zeitliche Abfolge und durch ihre Ziele.
Die Abbildung 1 zeigt auf Basis dieser Dreiteilung eine Geräteauswahl für die Bodenbearbeitungsverfahren bezüglich der Arbeitsschritte Grundbodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Saat.


Abb. 1: Übersicht und Einordnung von Bodenbearbeitungsverfahren (Quelle: KTBL, 1998)

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Stoppelbearbeitung

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Ziele:

  1. Fördernde Auflaufbedingungen für Unkraut- und Kulturpflanzensamen schaffen; Grünbrücken vermeiden → möglichst flach einarbeiten, anwalzen
  2. Bekämpfung existierender Unkräuter → schälen, austrocknen lassen, vergraben
  3. Stoppel- und Strohreste gleichmäßig in die oberste Bodenschicht einmischen, um die Strohrotte zu fördern und die Nahrungsgrundlage für die Bodenlebewesen zu erhalten
  4. Vorbeugung vor unproduktiver Wasserverdunstung (brechen der Kapillarität)
  5. Schädlingskontrolle (z.B. Mäuse oder Schnecken)
  6. Verdichtungen lockern → entsprechend tief arbeiten
  7. Saatbett vorbereiten → vor allem bei Mulchsaat bedeutend, wenn ohne folgende Bearbeitung die Folgefrucht eingesät wird

Die Bearbeitungstiefe der Stoppelbearbeitung sowie die Auswahl der jeweiligen Geräte ist ganz davon abhängig, welche Ziele verfolgt werden sollen.

Ein detaillierter Blick auf ausgewählte Ziele:

Bekämpfung der Ausfallsamen der Vorfrucht und der Unkräuter

Je mehr Getreide in der Fruchtfolge enthalten ist, umso wichtiger ist dieses Ziel. Im ersten Arbeitsgang sollen optimale Keimbedingungen für das Ausfallgetreide (Unkraut) geschaffen werden. Im darauf folgenden Bearbeitungsgang folgt die Beseitigung des aufgelaufenen Getreides, wobei bei diesem Schritt die Strohrotte stärker im Mittelpunkt steht. Bearbeitungstiefe zur Keimungsanregung des Ausfallgetreides: 5-6 cm. Wichtig ist, dass der Boden ganzflächig bearbeitet wird. Bleiben unbearbeitete Stege zurück, sind die Ausfallkörner, die auf diesen Stegen liegen, im Stroh eingebettet und können ihren Keimwasserbedarf nur ungenügend decken und damit auch nur erschwert keimen.  Erfolgt dieser Bearbeitungsgang zu tief, werden die Samen vergraben und keimen erst nach dem 2. Bearbeitungsgang, da sie durch diesen wieder an die Bodenoberfläche gelangen. Dadurch besteht ein erhöhtes Krankheitsübertragungsrisiko (Grünbrücke).

Bearbeitungstiefe erhöhen:

  • wenn Boden beim flachen Bearbeiten nicht vollständig durchbrochen werden kann
  • unter feuchteren Bedingungen

Eine genügende Rückverfestigung ist sehr wichtig um gute Auflaufbedingungen für das Ausfallgetreide zu schaffen. Vor allem unter trockenen Bedingungen sollte man darauf sehr viel Wert legen. Demnach darf die Fahrgeschwindigkeit nicht zu hoch sein (nicht über 12 km/h), da sonst der Nachläufer nicht ausreichend rückverfestigt.
Falls ihr Betrieb generell bei der Stoppelbearbeitung sehr viel Wert auf die Beseitigung des Ausfallgetreides legt, sollten Sie bei einer Neuanschaffung auf ein genügendes Nachläufergewicht (Keilringwalze, Dächermesserwalze etc.) achten.

Förderung der Strohrotte


Wenn nur die Strohrotte im Vordergrund steht, ist es wichtig, dass die Bearbeitung tiefer erfolgt (10-15 cm). Es sollte nur in trockenen Bodenschichten gearbeitet werden, da es sonst zu Schmierstellen kommen kann, die den Bodenwassertransport (Kapillarität) nach oben unterbrechen.
Das einzuarbeitende Stroh sollte kurz, gleichmäßig verteilt und trocken sein. Nur so kann eine adäquate Stroheinmischung gewährleistet werden. Eine gute Stoppelbearbeitung beginnt bereits beim Mähdrusch!
Wurde der Acker bei der ersten Stoppelbearbeitung flach bearbeitet, um Ausfallgetreide und Unkrautsamen zum Keimen zu bringen, dann folgt nach erneuter Begrünung ein zweiter, tieferer Bearbeitungsgang, der auch das Stroh gleichmäßig einmischen soll.

Bekämpfung von Wurzelunkräutern und Vermeidung unproduktiver Verdunstung

Haben diese Ziele oberste Priorität, sollte auf keinen Fall zu stark rückverfestigt werden. In diesem Fall empfehlen sich leichtere Nachläufer, wie Stabwalze oder Stachelwalze. Durch Rückverfestigung angedrückte Wurzelreste können wieder austreiben und sich damit sogar vermehren.

(verwendete Quellen: Prankl, o. J.; Anken, o. J.; Vogt und Kirchner, 2006)

Fazit

Stoppelbearbeitung sollte unmittelbar nach der Ernte, möglichst flach und mit guter Rückverfestigung erfolgen. Je nach Ziel, dass durch die Stoppelbearbeitung zu erreichen ist, muss die Geräteeinstellung angepasst werden. Wichtige Entscheidungsimpulse üben dabei die Witterung, der Bodenzustand sowie die vor- und nachfolgende Kultur aus.

Weiterführende Gedanken zum Thema Stoppelbearbeitung von Ulrich Henne:

Ist bei der Stoppelbearbeitung ein Umdenken erforderlich?

 

Problembeschreibung

Rapsdurchwuchs sowie Verunkrautung und Verungrasung nehmen trotz intensiver Stoppelbearbeitung und regelmäßigem Herbizideinsatzes seit Jahren ständig zu. Als Folge zeigen erste Unkräuter (Kamille gegen SU’ s) sowie Ungräser (Windhalm, insbesondere Ackerfuchsschwanz) zunehmende Herbizidresistenzen.

Ursachen für mangelnde Erfolge der standardgemäßen Stoppelbearbeitung

Viele Arten haben auch bei natürlicher Abreife eine genetisch fixierte primäre Keimruhe (Dormanz). Wegen der wenigen verfügbaren langjährigen Untersuchungen als Beispiel eine Zeitreihe zu Ackerfuchsschwanz:

Tabelle 1: Keimruhe von Ackerfuchsschwanz in England

Es wird deutlich, dass

  1. es zwar witterungsbedingte Jahresunterschiede gibt
  2. aber in 6 von 10 Jahren eine stark ausgeprägte Dormanz vorliegt
  3. und selbst in Jahren mit geringer Dormanz immer noch ca. 40 % der Samen nach 2 Monaten nicht gekeimt sind.

Das ist bei der Kulturpflanze Raps nicht grundsätzlich anders. Neben genetischen Dispositionen reifen die Sproßachsen nicht gleichmäßig ab. Sinngemäß gilt das gleiche auch für Unkräuter und Ungräser. Das bedeutet, dass in Abhängigkeit von Jahreseffekten die Ausfallsamen von vielen Arten grundsätzlich erst einmal ihre Keimruhe überwinden müssen.

Die Samen fallen in eine sekundäre Keimruhe, wenn sie im Zustand der primären Keimruhe selbst flach vergraben werden. Die sekundäre Keimruhe ist im Regelfall so lang, dass ein hoher Prozentsatz der Samen selbst nach der zweiten Stoppelbearbeitung bis Herbstbestellung nicht aufläuft. Bei Mulchsaat ist vielmehr festzustellen, dass ein verzettelter Auflauf in der Kultur von Herbst bis ins Frühjahr erfolgt. Das Vergraben von Ausfallsamen bewirkt bei vielen Unkräutern und einigen Ungräsern (z. B. Ackerfuchsschwanz) innerhalb eines Jahres Samenverluste von nur ca. 50 %. Da bei Herbizidmaßnahmen selten eine 100-prozentige Bekämpfung gelingt, wird der Samenvorrat im Boden also ständig weiter erhöht.

Versuchsergebnisse

Zu Ausfallgetreide liegt eine Versuchsserie von Niemann (2002) vor:

Tabelle 2: Auflauf von Ausfallweizen nach differenzierter Bearbeitung


Bei ausgestreutem Rapssamen wurden lt. Pekrun (2011) in einem Feldversuch mit Praxisgeräten folgende Bekämpfungserfolge erreicht:

Tabelle 3: Rapsdurchwuchs im Juni 1998 in Abhängigkeit von der Bodenbearbeitung im Juli 1995

Jensen (2009), hat eine Versuchsserie u. a. mit Ackerfuchsschwanz, Kamille und Klettenlabkraut durchgeführt:

Tabelle 4: Platzierung von Samen Mitte August, keimfähige Samen Ende September

Daraus wird stellvertretend für viele kleinkörnige Saaten deutlich, dass selbst bei sehr flacher Einmischung ein großer Anteil von Schadsamen bis zur Aussaat einer Winterkultur überlebt. Ein wichtiger Zweck der standardgemäßen Stoppelbearbeitung wird also eindeutig nicht erreicht!

Ursachen von Samenverlusten

Samen gehen verloren durch

- Keimung                    (Voraussetzung: es liegt keine Keimruhe vor!)
- ineffiziente Keimung   (Keimreiz wird ausgelöst, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche
 Keimung liegen jedoch nicht vor)
- Prädatoren                 (Mäuse, Vögel, Käfer, Collembolen, sonstige kleine Bodentiere)
- Mikroorganismen
- Verpilzung

Da sich die Samen vieler Arten direkt nach dem Ausfall noch in Keimruhe befinden, gilt es, auch andere Faktoren für Samenverluste zu fördern.

Nach Menck (1968) verpilzten in Gewächshausversuchen nicht vergrabene Ackerfuchsschwanzsamen. Samen, die aus dem Boden entnommen wurden, verpilzten nicht. Menck schloss daraus, dass die an den Spelzen haftende Mikroflora im Boden beseitigt worden ist. Weiter ermittelte er, dass eine intakte Spelze die Keimung, offensichtlich mangels genügenden Sauerstoffzutritts, behindert. In einem weiteren Versuch untersuchte Menck die Keimung zweier in Keimruhe befindlicher Herkünfte bei unterschiedlicher Luft:

Tabelle 5: Keimung zweier Herkünfte Ackerfuchsschwanzsamen in Keimruhe

Die Luftatmosphäre entspricht den Verhältnissen an der Erdoberfläche, die CO2-Atmosphäre eher denen in einem schlecht strukturierten Boden oder auch unter einer kompakten, nassen Strohmatte. Das Ergebnis ist selbsterklärend!

In einem Laborversuch untersuchte Menck weiter das Keimverhalten von Ackerfuchsschwanz bei unterschiedlichen Bodenfeuchtigkeiten. Er ermittelte, dass in einem Zeitraum von 3 Wochen die Keimung bei 30-40 % der Wasserkapazität am höchsten war. Selbst bei nur 20 % Bodenfeuchte wurden noch erstaunlich hohe Keimraten erzielt.

Umsetzung in die Praxis

Die standardgemäße Stoppelbearbeitung ist einseitig dominiert vom Einmischen von Ernterückständen. Teilweise ist auch die Brechung der Kapillarität und die Beseitigung von Altbewuchs ein Bearbeitungsziel. Bei fachgerechter Ausführung wird Ausfallgetreide gut und schnell zum Auflaufen gebracht. Dagegen sind die negativen Effekte der mischende Stoppelbearbeitung auf kleinkörnige Ausfallsamen anscheinend nie richtig ins Bewusstsein von Landtechnikern und Landwirte gerückt.

Die Versuchsergebnisse von Niemann zu Ausfallgetreide werden in der Praxis durch mehrfaches Striegeln/ Eggen (amerikanische Flex – Egge) auf No-Till-Betrieben bereits praktiziert:

Bild: U. Henne

Aufgrund eigener Erfahrung ist aber anzumerken, dass unversehrte Knickähren an der Erdoberfläche schlechter keimen als bei mischender Stoppelbearbeitung. Ein schnellerer Zerfall dürfte durch eine stärkere Konditionierung der Ernterückstände erreicht werden, worauf später noch einzugehen sein wird.

Bei Rapsausfall funktioniert die Selbstbegrünung vollkommen problemlos und wird auch in größerem Umfange praktiziert. Nach eigener Erfahrung werden durch mehrfaches Striegeln/ Eggen unversehrte Schoten oder Samenkapseln zerschlagen. Auch hier lässt eine stärkere Konditionierung noch höhere Wirkungsgrade erwarten.

Kleinkörnige Unkraut- und Ungrassamen verhalten sich im Grunde genommen genau so wie Ausfallraps, sind optisch jedoch wesentlich schlechter kontrollierbar.

Die Akzeptanzprobleme bei der nicht mischenden Stoppelbearbeitung beruht offensichtlich zum größten Teil auf Bedenken hinsichtlich der Rotte von Stoppeln und Stroh. In der Tat ist nach Stockfisch (1997) der erste Monat nach der Ernte entscheidend für eine schnelle Strohrotte. Nach Debruck (2002) ist die Rotte einer Strohdecke signifikant geringer als bei eingemischten Ernterückständen.

Nach eigenen Erfahrungen zerbröselt Stroh beim Striegeln/ Eggen in einzelnen Jahren stärker und führt dabei zu einem optisch geringeren Strohbedeckungsgrad. Das ist der Fall, wenn Stroh nach Einfeuchten wieder gut durchtrocknet und bei Knistern gestriegelt wird. Eine prozeßsichere Verbesserung können sogenannte Rolling Stalk Cutter bringen, die in den USA zur Konditionierung von Ernterückständen, hauptsächlich von Mais- und Baumwollstoppeln, eingesetzt werden.

Stoppeln und in gewissen Umfange auch Stroh werden durch die Messertrommel beim Abrollen auf dem Boden aufgrund hoher Umdrehungsgeschwindigkeit und aggressiver Werkzeuge angeschlagen und dabei mehr oder minder zerbröselt. Bei einem ersten Versuch im Frühjahr 2011 auf unbearbeiteten Weizenstoppeln und im Sommer 2011 auf frischen Rapsstoppeln wurden die Stoppeln bereits im ersten Arbeitsgang kurz geschlagen. Daten zur Zerkleinerungswirkung auf Getreidestroh und zur Minderung des Strohdeckungsgrades liegen noch nicht vor!

Zusammenfassung

Die Ausfallsamen vieler Arten befinden sich zur Erntezeit in einer unterschiedlich stark ausgeprägten primären Keimruhe. Selbst flaches Einmischen löst eine sekundäre Keimruhe aus, die unkalkulierbar lange anhält. Bei kurzen Anbaupausen, z. B. bis zur Herbstbestellung, keimt selten ein hoher Anteil Unkraut- und Ungrassamen. Deshalb müssen zur Samenminderung auch andere Verlustquellen gefördert werden.

Bei vielen Samenarten finden die schnellsten und höchsten Verluste an der Erdoberfläche statt. Unter trockenen Bedingungen konserviert eine Mulchdecke die Bodenfeuchtigkeit und gestattet sowohl die Keimung als auch den natürlichen Abbau von Samen. Zu hohe Feuchtigkeit konserviert Ausfallsamen. Zum Stoppelmanagement gehört dann auch die Regulierung der Feuchte unter der Strohdecke, z.B. durch Striegeln/ Eggen.
 
Auf vielen Standorten bleibt die Einleitung einer schnellen Rotte der Ernterückstände ein unverzichtbares Ziel. Hier hat die flach einmischende Stoppelbearbeitung bei hinreichender Bodenfeuchte Vorteile. In Vergleich zu einer unberührten Strohdecke lässt die Bearbeitung mit einem  Kombinationsgerät aus Rolling Stalk Cutter und Egge jedoch eine Verbesserung erwarten.

Bei einer Interessenabwägung wird wegen zunehmenden Herbizidresistenzen in Zukunft dem Ausfallsamenmanagement ein größerer Vorrang eingeräumt werden müssen als dem Strohmanagement.

Quellen:

Debruck, J. (2002)        Boden muß viel Stroh verdauen, Bauernzeitung

Jensen, P. K. (2009)      Longevity of seeds of four annual grass and two dicotyledon weed species as related to placement in the soil and straw disposal technique, Weed Research 49, S. 592 – 601

Menck, B. – H. (1968)    Biologie des Ackerfuchsschwanzes (Alopecurus myosuroides, Huds.) und seine Verbreitung in Schleswig – Holstein, Inaugural - Dissertation

Niemann, P. (2002)        Eliminierung von Ausfallweizen durch Formen der Stoppelbearbeitung, Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz, Sonderheft XVIII, 625 – 632 (2002)

Pekrun, C. (2011)          Vortragsunterlagen: Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes durch angepasstes Stoppelmanagement – wie wirkt die Stoppelbearbeitung?

Stockfisch, N. (1997)    Strohabbau durch Mikroorganismen und Regenwürmer in zwei Bodenbearbeitungssystemen, Dissertation

 

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Grundbodenbearbeitung

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Ziele:

  1. Günstige Wachstumsbedingungen für die Folgefrucht schaffen
  2. Lockerung des Bodens auf Krumentiefe/Krumenverdichtungen auflockern
  3. Verunkrautung und Schaderregerbefall mechanisch begegnen
  4. Einarbeitung der Ernterückstände zur Förderung der Strohrotte und Erhaltung der Nahrungsgrundlage für Bodenlebewesen
  5. Vergrößerung des durchwurzelbaren Raumes
  6. Vergrößerung Grobporenanteil
  7. Verbesserung des Gasaustausches
  8. Verbesserung der Wasserinfiltration
  9. Durchmischung der Horizonte und damit bessere Nährstoffverfügbarkeit
  10. Technische Hilfe für die Durchwurzelung und Lebendverbauung (Vogt und Kirchner, 2006; Pernkopf, 2010, Schaumberg, o. J.)

Bearbeitungstiefe: 15 - 35 cm (Pernkopf, 2010)

Grundsatz für die Einarbeitung von Stroh:
Je 10 dt Strohhäcksel = 1 -2 cm tiefe Bodeneinmischung.
1 cm bei Häcksellängen unter 5 cm.
2 cm bei Häcksellängen über 5 cm (Vogt und Kirchner, 2006).

Soll in diesem Bearbeitungsgang krumentief gelockert werden, empfehlen sich Geräte, die die Bodenlockerung mit einer mischenden Oberbodenbearbeitung und Rückverfestigung kombinieren. Die Lockerungswerkzeuge untergreifen Krumenverdichtungen und brechen sie auf. Dafür ist ein mehrbalkiger Grubber mit schmalen Scharen besser geeignet als der Einsatz von Flügelscharen (Bischoff, 2010).
Auch die Geschwindigkeit, die bei diesem Arbeitsgang gewählt wird, bestimmt die Qualität der Bodenbearbeitung. Unter trockenen Bedingungen kann bei hohen Geschwindigkeiten eine bessere Zerkleinerungswirkung erzielt werden. Das gilt jedoch nur bis die Werkzeuge ganze Schollen rausbrechen (Bischoff, 2010).

Je nachdem, mit welchen Geräten die Grundbodenbearbeitung erfolgt, können verschiedene Bodenbearbeitungssysteme unterschieden werden (Abb. 1):



Abb. 1: Übersicht und Einordnung von Bodenbearbeitungsverfahren (Quelle: KTBL, 1998)

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Konventionelle Bodenbearbeitung

Ein wichtiges Kennzeichen der konventionellen Bodenbearbeitung ist die regelmäßige, krumentiefe Lockerung und Wendung des Bodens mit dem Pflug (in der Regel bis 30 cm Bodentiefe). Beim Pflügen werden Unkräuter und Pflanzenreste in den Boden eingearbeitet und darüber hinaus werden Nährstoffe mobilisiert. Durch die Arbeit mit dem Pflug entsteht eine lockere von Reststoffen freie Ackeroberfläche (Tab. 2). Diese dient als Voraussetzung für eine korrekte Aussaat der folgenden Kultur mit herkömmlicher Drilltechnik (Brunotte, Gattermann und Sommer, 2006; SMUL, o. J.).

Der Einsatz des Pfluges ist die intensivste Bodenbearbeitung. Ziel des Pflugeinsatzes ist die Beseitigung von Strukturschäden und Herstellung eines gut durchwurzelbaren Krumenraumes (Tab. 2).
Auf den meisten Böden ist es ausreichend bis zu einer Tiefe von 25 cm zu pflügen. Tieferes Pflügen unter feuchten Bodenbedingungen führt beim Einsatz von schweren Maschinen zu Unterbodenverdichtungen (Diez und Kreitmeyer, 1998).

Tabelle 2: Pflugeinsatz – Vorteile und Nachteile (verändert nach Diez und Kreitmeyer, 1998; Pernkopf, 2010)

Vorteile

Nachteile

Bessere Unkrautunterdrückung sowie Unter drückung von Krankheiten und Schädlingen → Schaffung eines „reinen Tisches“ somit weitgehende störungsfreie Bestellung der Folgefrucht

Höhere Erosionsgefahr durch Wasser und Wind

Wirksame Beseitigung starker Krumenverdichtung

Störung der Bodenfauna insbesondere Schädigung der Regenwürmer

bessere Durchlüftung

Stärkerer Humusabbau

Bessere Nährstoffverteilung im Wurzelraum

Flächen neigen zur Verschlämmung → Verminderte Tragfähigkeit

Schnellere Bodenerwärmung

Ungenügender Bodenschluß

Raschere N-Nachliefreung, besonders in feuchten Jahren

Hoher Zeit- und Kostenaufwand

ermöglicht störungsfreie Saat

Schadverdichtungen im Unterboden durch schwere Maschinen

 

Strohmatratzenbildung im Pflughorizont

Konservierende Bodenbearbeitung


Die konservierende Bodenbearbeitung gilt als Oberbegriff für alle Bodenbearbeitungsverfahren, bei denen auf Pflugeinsatz komplett verzichtet wird. Somit verbleiben die Ernterückstände der Vor- oder Zwischenfrucht nahe oder an der Ackeroberfläche (Mulch). Dabei kommen vor allem nichtwendende Bodenbearbeitungsgeräte zum Einsatz (z.B. Grubber, Scheibeneggen, zapfwellengetriebene Geräte). Ziel ist eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung, die als vorbeugender Schutz gegen Verschlämmung und Erosion dient. Durch die Reduzierung der Grundbodenbearbeitung in Art, Tiefe und Häufigkeit des mechanischen Eingriffs soll möglichst ein stabiles und tragfähiges Bodengefüge als prophylaktische Maßnahme gegen Verdichtung geschaffen werden.
Die Aussaat ist in diesem Fall definiert als Mulchsaat, da die Saat in eine vorhandene Mulchauflage eingebracht wird (Brunotte, Gattermann und Sommer, 2006; SMUL, o. J.).

Positive Bodenwirkungen der konservierenden Bodenbearbeitung:
Durch die Anreicherung von pflanzlichen Reststoffen auf der Ackeroberfläche bzw. in den obersten Bodenschichten, wird die biologische Aktivität des Bodens gesteigert. Es entsteht ein funktionsfähigeres Gefüge mit Stabilitätseigenschaften. Daraus resultiert:

  • Humusakkumulation
  • Erhöhte Aggregatstabilität
  • Aufbau eines Makroporensystems, dass bis in größere Tiefen reicht
  • Minderung von Bodenerosion (durch Wind oder Wasser)
  • Minderung von Bodenschadverdichtungen (SMUL, o. J.)

Kritikpunkte:

  • Ährenfusariosen
Stark befallsfördernd: 

Körnermais

Silomais

Feldgras

Winterweizen

Zuckerrüben

Übriges Getreide

Kartoffeln

Wenig befallsfördernd:   

Raps

  • Unkrautprobleme, vor allem Trespen, Jährige Rispe, Ackerfuchsschwanz, Quecke, Distel
  • Durchwuchs (bei Wintergetreide nach Winterweizen)
  • Tierische Schaderreger: Maiszünsler, Schnecken, Mäuse
  • Schmierhorizont
  • Organische Substanz reichert sich an der Bodenoberfläche an

Bei feuchten Bedingungen nach Trockenheit kommt es zur Schollenbildung (Pernkopf, 2010; Brunotte, Gattermann und Sommer, 2006)

Zu Schaderregern und Nützlingen bei konservierender Bodenbearbeitung siehe Tabelle 3.
 
Tabelle 3: Schaderreger und Nützlinge unter dem Einfluss konservierender Bodenbearbeitung

++ = sehr starkes Auftreten, + = stärkeres Auftreten, - = geringeres Auftreten, 0 = keine Veränderung zu erwarten
(entnommen aus Vogt und Kirchner, 2006)

Ungräser/Unkräuter

Zu-/Abnahme

Pilzliche Erkrankungen

Zu-/Abnahme

Tierische Schädlinge

Zu-/Abnahme

Trespe (Bromus)

++

Spitzer Augenfleck (Rhizoctonia cerealis)

0

Schwarzwild

+(+)

Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides)

++

Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis)

0/-

Mäuse (Microtus arvalis)

+(+)

Windhalm (Apera)

+(+)

Halmbrucherkrankungen (Pseudocercosporella)

0/-

Ackerschnecken

+(+)

Quecke (Elymus)

+

Echter Mehltau

0/-

Springschwänze (Collembola)

+

Ausfallgetreide

+

Blattdürre (DTR-HTR) (Helminthosporium tritici repntis)

++

Maiszünsler (Ostrinia nubilalis)

+

Flughafer (Avena fatua)

+

Blattflecken (Septoria tritici)

0/+(+)

Blattläuse (Aphidoidae)

-/0

Ackerdistel Cirsium arvense)

+

Blattflecken (Septoria nodorum)

0/+

Gallmücken (Cecidomyiidae)

-

Klettenlabkraut (Galium aparine)

+

Fusariumpilze

0/+

Brachfliege (Delia coarctata)

-

Rote Taubnessel (Lamium purpureum)

0

Gelbrost (Puccinia striiformis)

0

Nematoden (Nematoda)

0/-

Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

0

Braunrost(Puccinia triticina)

0

Nützlinge

Ehrenpreisarten (Veronica)

-

Zwergrost (Puccinia hordei)

0

Raubmilben (Gamasida)

+

Vergissmeinicht (Myosoitis)

+

Netzfleckenkrankheit (Drechslera teres)

+(+)

Laufkäfer (Carabidae)

+

Strochschnabel (Geranium)

+(+)

Rhychnosporium-Blattflecken

0/+

Spinnen (Arachnida)

+

Wegrauke (Sisymbrium officinale)

+(+)

Mutterkorn (Erreger: Claviceps purpurea)

(+?)

 

Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)

++

Wurzelbrand (Pythium, Phoma, Aphanomyces)

-

 

Stiefmütterchen (Viola arvensis)

0/-

Viren

 

Vogelmiere (Stellaria media)

-

Gelbverzwergungsvirus

-/0

 

Ackerwinde (Convolvulus arvensis)

++

 

 

Wickenarten (Vicia)

+

 

 

Direktsaat

Direktsaat bedeutet der komplette Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung (auch keine Stoppelbearbeitung). Der Boden wird nur zum Öffnen der Säschlitze zur Aussaat ein wenig bearbeitet. Die Aussaat erfolgt daher mit speziellen Direktsämaschinen (Brunotte, Gattermann und Sommer, 2006; SMUL, o. J.).
Die positiven Bodenwirkungen der Direktsaat sowie die Probleme, die auftreten können, ähneln denen der konservierenden Bodenbearbeitung. Sie können aber in ihrer Ausprägung weitaus intensiver sein. Der bedeutendste Vorteil der Direktsaat ist die fortwährende Bodenruhe. Dadurch kann sich eine natürliche homogene Verbindung zwischen Krume und Unterboden in Form von Wurzelgängen, Regenwurmröhren und Schrumpfungsrissen bilden. Die organischen Reste an der Bodenoberfläche verhindern das Abtragen feiner Bodenteilchen und sind damit ein wirksamer Erosionsschutz.
Als bedeutende Nachteile sind zu nennen die Dichtlagerung des Bodens und die Konzentration der Nährstoffe an der Bodenoberfläche (Estler und Knittel, 1996).

Tabelle 4 soll Ihnen eine erste Möglichkeit geben, sich selber ganz grob einzuordnen, welches Anbauverfahren zu Ihren Standortvoraussetzungen, Fruchtfolge, Betriebsstruktur und Ihrem eigenen Betriebsleitertyp am besten passt.

Tabelle 4: Welches Bodenbearbeitungsverfahren passt am besten zu meinem Betrieb? (entnommen aus Dölger und Jürgens, 2009)

 

Pflug

Mulchsaat

Direktsaat

Betriebsleitertyp

- jeder

- flexibel
- lösungsorientiert
- zielorientiert
- frei von Ideologie
- gutes Fachwissen

- experimentierfreudig
- Zeit für Informationsbeschaffung
- Geduld und Durchhaltevermögen
- nachbarschaftlicher Kritik gewachsen
- ideologische Prägung

Standort-voraussetzungen

- möglichst keine Erosion
- Problem Verschlämmung

- je feuchter, umso tiefer
- je leichter, umso tiefer
- kaum Staunässe
- Niederschlagsmenge

- trocken
- einfacher: schwerer Boden

Fruchtfolge

- auch sehr eng
- auch Hygieneprobleme

- keine Monokultur
- je flacher, desto weiter
- ständige Bedeckung nicht zwingend
- problematische Fruchtfolgeschritte z.B. Weizen nach Mais

- weit
- Sommerungsanteil
- Zwischenfrüchte
- Acker stets bedeckt

Betriebsstruktur

-  jede

- jede

- keine Gülle im Herbst


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Saatbettbereitung

Die Saatbettbereitung hat zentrale Bedeutung für den Aufgang der Saat. Je nach Technikausstattung erfolgt die Bestellung (umfasst Saatbettbereitung und Aussaat) absetzig (zeitlich getrennt) oder in einem Arbeitsgang.
Der Boden soll bei der Saatbettbereitung so hergestellt werden, dass alle Saatkörner rasch und gleichmäßig keimen und die Krume bis zur Ernte ihre optimale Struktur erhält.

Das ideale Saatbett:

  • Eben und gleichmäßig
  • Mittel-grobkrümelige Struktur an der Bodenoberfläche
  • Verdunstungsschutz
  • Verschlämmungsschutz
  • Verbesserung der Wasserinfiltration
  • Verbesserung der Sauersoffversorgung
  • Leichtere Erwärmbarkeit
  • Feinkrümelige Struktur im Saathorizont um Saatkorn mit Feinerde zu umschließen
  • Unter dem Saatkorn: leicht verfestigter Boden für den kapillaren Wasseraufstieg (Unterkrume sollte frei von Verdichtungen sein, aber genügend rückverfestigt); Eine gute Rückverfestigung ist weiterhin wichtig für die Wirksamkeit des Herbizideinsatzes nach der Saat sowie für die Vermeidung von Hohlräumen im Hinblick auf etwaige Schädlingsprobleme.

Saatbett sollte auf die Anforderungen der jeweiligen Fruchtart abgestimmt sein.
Die Geräte dafür können in gezogene und zapfwellengetriebene Geräte unterteilt werden.

Die Stroheinmischung und die Unkrautbekämpfung haben bei der Saatbettbereitung nur noch wenig Priorität.

(verwendete Quellen: Diez und Kreitmayr, 1998; Estler und Knittel, 1996, Pernkopf, 2010; Vogt und Kirchner, 2006)

Für weitergehende Informationen zu den unterschiedlichen Bodenbearbeitungssystemen wird empfohlen die Seiten des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zu besuchen: www.smul.sachsen.de
Hier sind vielfältige Versuchsergebnisse, Erfahrungen aus der Praxis und Anwendungshinweise sowie betriebswirtschaftliche Einschätzungen zu den einzelnen Bodenbearbeitungsmaßnahmen zu finden.

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Wasser- und bodenschonende Bodenbearbeitung als Anpassung an den Klimawandel

Mit Hilfe einer standortangepassten Bodenbearbeitung ist es möglich sich den sich ändernden Klimabedingungen anzupassen. Dabei sollte man sich einige Zusammenhänge immer wieder vergegenwärtigen.
Als Landwirt hat man die Möglichkeit durch unterschiedliche pflanzenbauliche Maßnahmen auf verschiedene Bodeneigenschaften Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel kann man einen nährstoffarmen Boden düngen, um ausreichend hohe Erträge produzieren zu können. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Bodenkenngrößen, die man nur ganz minimal beeinflussen kann. Der Wasserspeicher für pflanzenverfügbares Wasser im Boden ist solch eine wenig veränderbare Größe. Die Speicherfähigkeit von pflanzenverfügbarem Wasser in der Ackerkrume wird vor allem festgelegt durch die Korngrößenzusammensetzung und die organische Bodensubstanz. Daher ist es einerseits wichtig auf die Erhaltung des standorttypischen Humusgehalts des Bodens zu achten. Andererseits lässt sich der Ersatz des verbrauchten Bodenwassers durch Maßnahmen der Bodenbearbeitung beeinflussen (Bischoff, Rücknagel und Hofmann, 2010).

Konservierende Bodenbearbeitungsverfahren sowie die Direktsaat sind gekennzeichnet durch die Ausbildung einer Mulchschicht im obersten Bodenhorizont. Damit kann unproduktive Verdunstung vermindert und gleichzeitig der Oberflächenabfluss durch eine verstärkte Infiltration reduziert werden (Bischoff, Rücknagel und Hofmann, 2010). Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, dass jede tiefere Bodenbearbeitungsmaßnahme Wasser kostet. Daher haben sich auf Trockenstandorten minimale Bodenbearbeitungsverfahren (konservierende Bodenbearbeitung, Streifenbearbeitung, Schlitz- und Direktsaat) bewährt. Auf diese Weise kann die Wasserverfügbarkeit für die Kulturpflanzen erhöht werden (SMUL, 2009).

Während des Winters wird der Boden durch die (in Zukunft noch zunehmenden) Niederschlagsmengen bis in tiefere Schichten mit genügend Wasser aufgefüllt. Dadurch können Regendefizite im Frühjahr bis Frühsommer kurzfristig überwunden werden. Die Wasserreserven des Bodens steigen in der Weise, je länger eine Strohdecke vor unproduktiver Verdunstung schützt (Bischoff, Rücknagel und Hofmann, 2010).

Jedoch kann es auf verdichtungsempfindlichen Standorten zu Problemen kommen, wenn ein jahrelang krumentief bearbeiteter Boden regelmäßig nur noch flach bearbeitet wird. Das Gefüge, der ehemals bearbeiteten Krume neigt stark zur Verdichtung. Um sich einen Überblick über die Lage der Verdichtungszonen zu verschaffen, ist eine Spatendiagnose unerlässlich. Hierdurch kann der Strukturzustand des Bodens ermittelt werden (Bischoff, 2009). Eine flache Bodenbearbeitung oder Direktsaat ist aber auch auf verdichtungsempfindlichen Standorten möglich. Man muss nur einige grundlegende Dinge berücksichtigen. Nach Kahnt geschieht die Lockerung des Bodens über die Pflanzenwurzeln: "Eine minimale technische Bodenbearbeitung verlangt eine intensivere biologische Bearbeitung durch Faser- und Pfahlwurzeln" (Kahnt, 2008).

Durch den Anbau von tiefwurzelnden Leguminosen in der Fruchtfolge kann dem Problem der Bodenverdichtung teilweise begegnet werden. Darüber hinaus kann der Landwirt durch das Vermeiden von Überlockerung die Tragfähigkeit des Bodens erhöhen. Eine Reduzierung der Bearbeitungstiefe bis hin zur Direktsaat wird in jedem Fall in höhere Lagerungsdichten im unbearbeiteten Krumenbereich des Bodens münden. Dabei kommt es aber gleichzeitig zur Verbesserung der Tragfähigkeit des Bodens. Die höheren Lagerungsdichten sind auf strukturstabilen Lößlehmböden unproblematisch. Bei einer angepassten Fruchtfolge ist es auch möglich diesen Boden in Direktsaat zu bewirtschaften. Einzig auf einem verdichtungsempfindlichen Sandboden ist mit Einschränkungen bei der Wasserinfiltration zu rechnen. Werden aber in der Fruchtfolge Pflanzen mit Pfahlwurzeln angebaut, kann in den tief reichenden Kanälen der verrotteten Wurzeln das Wasser schnell versickern (Kahnt, 2008). Daher existieren unterschiedliche Meinungen, was die Intensität der Bearbeitung von Sandböden betrifft. Laut Bischoff (2009) müssen Sandböden öfter krumentief (bis 35 cm) gelockert werden. Bei diesen Böden ist besonders viel Wert auf eine bodenzustandsabhängige Lockerungsintensität zu legen. Die Lockerung ist dabei nur von dauerhaftem Erfolg, wenn das gelockerte Gefüge schnell und dicht durchwurzelt wird. Geeignete Früchte dafür sind Kruziferen sowie klein- und großsamige Leguminosen. Diese werden entweder in Reinsaat oder als Gemenge, in Zwischen- oder Hauptfruchtstellung angebaut (Bischoff, 2009; Bischoff, Rücknagel und Hofmann, 2010). Demgegenüber steht die Meinung einiger Bodenbearbeitungsexperten, dass Direktsaat überall möglich ist. Dabei ist es unerheblich, welche Bodenart an einem Standort zu finden ist. Man muss das Direktsaatsystem nur entsprechend an den Standort anpassen.

Die erfolgreiche Durchführung von Direktsaat hängt entscheidend von der Gestaltung der Fruchtfolge ab: Wechsel von Winter- und Sommerkulturen, Lockerung der Bodenstruktur durch Gründüngung, Anbau resistenter Sorten und der integrierte Pflanzenschutz (Anonym, 2009; Bischoff, 2009). Für eine erfolgreiche Direktsaat ist der Einsatz eines Totalherbizides fast unerlässlich. Somit fällt auch die Kontrolle von Schnecken und Feldmäusen, die in diesem Anbausystem oft zum Problem werden, leichter (Bischoff, 2009).

Da es in der Praxis oftmals schwierig ist, geeignete Fruchtfolgen zu gestalten, sollte auf folgendes unbedingt Wert gelegt werden: Das Stroh und die Stoppeln der Vorfrucht müssen umso gründlicher in den Boden eingearbeitet werden, je ungünstiger die Fruchtfolge ist und je weniger Zeit zur Verfügung steht zwischen Ernte und Neueinsaat (Bischoff, 2009).

Durch die nur oberflächlich in den Boden eingemischten Ernterückstände bei der konservierenden Bodenbearbeitung können landwirtschaftliche Flächen vor Wind- und Wassererosion geschützt werden (SMUL, 2009; Reckleben, 2010). Bei Direktsaat kann Erosion fast komplett verhindert werden (SMUL, 2009). Die oberflächlich gelegenen Pflanzenrückstände mildern die Aufprallenergie der Regentropfen ab und gleichzeitig behindern sie das Abfließen des Wassers von der Fläche und das Wirken des Windes (Reckleben, 2010). Auf diese Weise kann der weltweiten Problematik der Flächendegradierung entgegengewirkt werden.

Das wichtigste in Kürze:

Der Pflug ist vor allem in Regionen mit einem hohen jährlichen Niederschlag verbreitet. Die wendende Bodenbearbeitung schafft in erster Linie luftführende Grobporen, denn bei hohen Wassermengen im Boden, wird vor allem Sauerstoff zum limitierenden Faktor. Somit ist die Direktsaat vor allem auf trockenen Standorten zu finden. Die konservierende Bodenbearbeitung gliedert sich dabei zwischen den beiden Eckpunkten Pflug und Direktsaat ein. Eine krumentiefe konservierende Bodenbearbeitung grenzt dabei an die Wirkungsstärke des Pfluges und eine konservierende Bodenbearbeitung ohne Lockerung liegt der Direktsaat am nächsten (Voßhenrich und Brunotte, 2008).


Wir möchten in diesem Projekt vor allem die unterschiedlichen Betrachtungsweisen (zum Beispiel: dauerhafte Direktsaat auf Sandboden ja oder nein) und weiteren Fragestellungen nachgehen, um Hinweise und Leitgedanken für die Praxis zu erarbeiten. Damit die unterschiedlichen Fragestellungen, die sich im Bereich Bodenbearbeitungssysteme in Verbindung mit Zwischenfruchtanbau und Fruchtfolgegestaltung ergeben, bearbeitet werden können, werden unter anderem auf Praxisbetrieben Versuche angelegt, Expertengespräche geführt und regionale „Stammtische“ zum Wissensaustausch eingerichtet.

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Quellenangaben

Anken, T. (o. J.): Stoppelbearbeitung – Eigenschaften unterschiedlicher Stoppelbearbeitungssysteme [Online].
Verfügbar unter: http://www.althaus.ch [11.08.2010]

Anonym (2009): Strategien für die Zukunft. In: dlz agrarmagazin, 6/2009, 102-106

Bischoff, J. (2009): Das Wasser besser nutzen. In: Neue Landwirtschaft, 8/2009, 34-36

Bischoff, J.; Rücknagel, J.; Hofmann, B. (2010): Enge Wechselbeziehung. In: Neue Landwirtschaft, 8/2010, 44-46

Brunotte, Gattermann und Sommer (2006): Amazone. Architektur des modernen Pflanzebaus.

Diez, T. und Kreitmayr, J. (1998): Bodenbearbeitung und Erosionsschutz. In: Pflanzliche Erzeugung Band 1. 11. Auflage, München: BLV Verlagsgesellschaft, 744 S.

Dölger, D. und Jürgens, H. (2009): Sind Sie auf der richtigen Spur? In: DLG-Mittelungen, S. 50

Estler, M. und Knittel, H. (1996): Praktische Bodenbearbeitung: Grundlagen, Gerätetechnik, Verfahren, Bewertung. 2. Auflage. Frankfurt/Main: DLG-Verlag. 264 S.


Gruber, W. (2009): Bodenbearbeitung und Saat. In: Getreide Magazin, 3/2009 (14. Jg.), 162-165

Hellberg-Rode et al. (2002): Bodenfruchtbarkeit [Online]. 
Verfügbar unter: hypersoil.uni-muenster.de [11.08.2010]

Kahnt; Günther (2008): Leguminosen im konventionellen und ökologischen Landbau. Frankfurt am Main: DLG-Verl.

Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) (1998): Bodenbearbeitung und Bodenschutz - Schlussfolgerungen für die gute fachliche Praxis. Arbeitspapier 266

Pernkopf, G. (2010): Ziele und Wirkungen der verschiedenen Bodenbearbeitungsgänge [Online].
Verfügbar unter: www.eduhi.at [11.08.2010]

Prankl, P. (o. J.): Erfolgreicher Ackerbau beginnt bei der Stoppelbearbeitung [Online].
Verfügbar unter:www.eduhi.at [11.08.2010]

Reckleben, Y. (2010): Dauerthema Intensität. In: Neue Landwirtschaft, 2/2010, 54-56

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) (Hrsg.) (2009): Klimawandel und Landwirtschaft, Strategien zur Anpassung der sächsischen Landwirtschaft an den Klimawandel, Dresden

Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) (o. J.): Bodenbearbeitung und Bodenkultur [Online].
Verfügbar unter: www.smul.sachsen.de [11.08.2010]

Schaumberg, G. (o. J.): Bodenbearbeitung und Bodenschutz [Online].
Verfügbar unter:www.llh-hessen.de [11.08.2010]

Vogt, M. und Kirchner, M. (2006): Hinweise zur pfluglosen Bodenbearbeitung [Online].
Verfügbar unter:www.llh-hessen.de [11.08.2010]

Voßhenrich, H.-H., Brunotte, J. und Ortmeier, B. (2003): Methoden zur Bewertung der Strohverteilung und Einarbeitung – Arbeitsqualität schnell bestimmt. In: Landwirtschaft ohne Pflug, 3/2003, 22-24

Voßhenrich, H.-H. und Brunotte,J. (2008): Anforderungen an die Bodenbearbeitung. Merkmale der Intensitätsstufen. In: DLG e.V. (Hrsg.). Schonende Bodenbearbeitung: Systemlösungen für Profis. Frankfurt/Main: DLG-Verlags-GmbH, S.53

Wildhagen, H. (2006): Materialien zur Vorlesung Agrartechnik, Bodenbearbeitung, Teil: „Bodenbearbeitung“, Sommersemester 2006 [Online].
Verfügbar unter: www.wiz.uni-kassel.de [11.08.2010]