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Gut Wilmersdorf GbR (Bioland)

Geschäftsführer: Stefan Palme
Betriebsspiegel

- Viehloser Ackerbaubetrieb
- Geografische Lage: Schorfheide, Landkreis Uckermark
- Durchschnittliche Ackerzahl: 42 (Schwankungsbreite: 20-65)
- Bodenarten: Sand - Lehm
- Landwirtschaftliche Nutzfläche 1104 ha
    Ackerfläche  1096 ha, Grünlandfläche 8 ha
Anbauspektrum:
57 % Getreide (Roggen, Weizen, Dinkel)
30 % Luzerne-Kleegras
13 % Körnerleguminosen (Lupine, Peluschke)

Versuchsbeschreibung
Anbausystemversuch mit reduzierter Bodenbearbeitung zur Optimierung der Wasser und N-Versorgung im Winterweizen
Randomisierte Blockanlage mit fünf Varianten und vier Wiederholungen (40 Parzellen)

Variante A) - Betriebsübliches Verfahren:
2 jähriges Luzerne-Kleegras > Pflug (Herbstfurche) > Winterweizen (Aussaat Mitte Oktober)

Variante B1):Klimaangepasste Varianten
2 jähriges Luzerne-Kleegras > Ringschneider (Mitte Juli; Sommerbrache) > Winterweizen nach Ringschneider mit Beisaat (Öllein, Phacelia, Buchweizen, Wicke); Aussaat Ende August

Variante B2):
2 jähriges Luzerne-Kleegras > Ringschneider (Mitte Juli) > Sommerzwischenfrucht Winterweizen (Öllein, Phacelia, Buchweizen, Wicke) > Winterweizen nach Pflugfurche (Aussaat Mitte Oktober)

Variante C1):

2 jähriges Luzerne-Kleegras > Pflug (Anfang April) > Hafer > Winterweizen nach Pflugfurche (Aussaat Ende September)

Variante C1):
2 jähriges Luzerne-Kleegras > Ringschneider (Anfang April) > Hafer > Winterweizen nach Ringschneider (Aussaat Ende September)

Untersuchungsparameter:

Bonituren am Pflanzenbestand: BBCH, Pflanzenhöhe, Gesamtdeckungsgrad, Kulturdeckungsgrad, Unkrautdeckungsgrad während der gesamten Vegetationsperiode
Bodenuntersuchungen: Nmin nach Ernte; Makronährstoffe
Ertragsparmeter: Ährentragender Halme, Grünschnitte, Ertrag (Korn), Biomasse

Problemstellung:
Winterweizen wird im ökologischen Landbau üblicherweise nach einem späten Umbruch von Luzerne-Kleegras zum Ende des Herbstes gesät (Variante A). Hierdurch soll die Vorwintermineralisation gebremst und Stickstoffverluste reduziert werden. Bei diesem Verfahren reagieren die Winterweizenerträge jedoch besonders empfindlich auf Trockenperioden im Frühsommer, weil die späten Getreidesaaten zu diesem Zeitpunkt ihren Hauptwasser- und Stickstoffbedarf haben. Die Winterweizenbestände sind bei Vorsommertrockenheit besonders von Stickstoffmangel bedroht, weil die mikrobielle Stickstoffmineralisation weitgehend zum Erliegen kommt. Verschärft wird der Stickstoffmangel im Frühjahr durch ein weites C:N-Verhältnis der Kleegrasreste bei geringem Leguminosenanteil. Dagegen wird häufig bei der Folgekultur des Winterweizens eine deutlich bessere Stickstoffversorgung beobachtet.

Versuchsfrage:

Wie kann die Wasser –und Stickstoffversorgung zum Winterweizen optimiert und somit die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels erhöht werden?

Hypothesen zu den Varianten B1 und B2:

  •  Eine frühe mechanische Bestandesabtötung des Luzerne-Klegrassbestandes (LKG) mit dem Ringschneider (nach dem 2. Mulchtermin) reduziert Wasserverluste durch Evapotranspiration (Wasserverluste durch Transpiration des LKG / Evaporationsschutz durch die Mulchschicht). Ferner besteht Erosionsschutz durch Mulchauflage in den niederschlagreichen Monaten (Starkregenereignisse)
  • Durch die Sommerbrache kann der Saattermin optimaler gestaltet werden, optimale Auflaufbedingungen (wassersparen durch frühen LKG-Umbruch, bessere N-Mineralisation)
  • Durch eine abfrierende Beisaat (Öllein, Phacelia, Buchweizen, Sommerwicke) können mineralisierte N-Mengen aus dem Herbst bis zum Frühjahr konserviert werden um nach einer schnellen (oberflächennahen) Mineralisation dem Winterweizen (WWE) zur Verfügung zu stehen.


Hypothesen zu den Varianten C1 und C2:

  • Mit dem Ringschneider gibt es ein Ackerbaugerät, dass im Frühjahr eine mechanische „Abtötung“ des LKG-Bestandes ermöglicht, so dass ein druschwürdiger Haferbestand etabliert werden kann
  • Nach der Bodenbearbeitung mit dem Ringschneider kann auf bindigen Böden eine frühzeitige und bodenschonende Aussaat für den Hafer erfolgen (höhere Wassereffizienz und geringe Wasserverluste durch Evapotranspiration durch das LKG)
  • Durch den Einschub von Hafer in die Früchtefolge (Kleegras-WWE) lässt sich die N-Versorgung für den WWE optimieren (bessere N-Mineralisation, N-Synchronisation, C:N-Verhältnis). Ferner ergibt sich nach der Hafervorfrucht ein optimaleres Saatbett für den WWE.

Erste Ergebnisse (1. Versuchsjahr 2010)

  • Anfang April wurde das Kleegras sowohl mit dem Pflug (Arbeitstiefe 25 cm) als auch mit dem Ringschneider (6 cm) umgebrochen und Hafer angesät. Außer bei Beständen, die stark Luzerne betont waren, reichte eine zweimalige Ringschneiderbearbeitung aus, um das Kleegras komplett abzuschneiden und nach dessen Abtrocknen eine Mulchsaat zu ermöglichen. Es konnten druschwürdige Haferbestände etabliert werden.
  • Beim diesjährigen Witterungsverlauf wiesen die Ringschneider-Parzellen geringere Feldaufgänge, Bestandesdichten (25 %) und Erträge auf. Dies wurde neben der verringerten Stickstoffmineralisation auch durch eine stärkere Verunkrautung mit Leguminosenunterwuchs und Wurzelunkräutern verursacht.
  • Im Gegensatz zum Pflug konnte im Juli bei sehr trockenen Bedingungen mit dem Ringschneider ein LKG-Umbruch durchgeführt werden. Im Anschluss wurde erfolgreich ein Sommerzwischenfruchtbestand in Mulchsaat etabliert (Varianten B1 und B2).

Haferanbau nach zweijährigem Luzerne-Kleegras (Gut Wilmersdorf 2010):

Bodenbearbeitung

Feldaufgang
(Pflanzen/m2)

Bestandesdichte
(Halme / m2)

Biomasse Hafer (Ende Blüte 30.06.)
(TM dt/ha)

Ertrag
(86% TM
dt/ha)

Biomasse Unkraut (30.06.)
(TM dt/ha)

Pflug

148

256

63

46

10

Ringschneider

130

193

47

31

20

 

 

Einsatz des Parzellenmähdrescher zur Beerntung der Haferparzellen (Gut Wilmersdorf; 06.08.2010 Foto: Ralf Bloch)